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Gedanken zur Jahreslosung 2026

Die Macht von „noch“

Die Jahreslosung 2026 richtet unseren Blick neu aus. Wir sollen genau hinschauen. Nicht auf das Alte, auf das, was nicht gut läuft, deprimiert, sondern das, was neugierig macht und Hoffnung gibt.

Es geht in der Offenbarung des Johannes um die Zukunftshoffnung der Auferstehung – und um die Frage, wo wir diese Auferstehung jetzt schon sehen, ihre Macht jetzt schon spüren können.

Zum Beispiel beim Besuch in einer Grundschule. Da hängt für alle sichtbar ein Merkspruch: Denkt an die Macht von „noch“.

Ich stutze. Wie jetzt „noch?“ Was ist „noch“? Ein fernes Land oder eine neue Fantasyreihe? Und um was für eine Macht geht es bei diesem „noch“?

Eine Lehrerin erzählt, wie die GrundschülerInnen oft Zuspruch brauchen. Gerade dann, wenn sich einer mal wieder mutlos fühlt.  „Ich bin zu klein“ heißt es dann schnell.

Dann werden die Kinder an die Macht von „noch“ erinnert. Die Kinder sagen den gleichen Satz erneut, aber jetzt mit einem eingefügten „noch“, Und dann klingt das so: „Ich bin noch zu klein.“  Und schon schwingt Hoffnung und Ausblick mit: bald bist du nicht mehr zu klein!

Das geht mit ganz vielen Sätzen so. „Ich kann nicht schreiben“ wird zu „Ich kann noch nicht schreiben.“ „Ich kann den Ball nicht fangen.“ zu „Ich kann den Ball noch nicht fangen“. Fast kann man schon sehen, wie das Kind dann bald schreiben und Ballspielen kann. Das Kind jedenfalls übt mit neuer Motivation und ahnt in den ersten Erfolgen schon, wie gut es noch werden wird. Wie nahe dieses „Siehe ich mache alles neu!“ mitten im Leben ist.

Eine „Auferstehungsperspektive“, die gut tut. Auch als Erwachsener höre ich oft: „Das geht nicht.“, „Es gibt keine Lösung.“ Wer in diese deprimierenden Sätze ein geschicktes „noch“ einfügt, der spürt die Macht der Hoffnung: Das geht noch nicht. Es gibt noch keine Lösung. Und schon schwingt mit: Es wird gehen, es wird sich finden!

Die Macht von „noch ist eine Macht gegen die Resignation. Gegen die Enttäuschung. Gegen das Aufgeben.

Sie rechnet damit, dass Gott uns Zukunft schenkt. Sie rechnet mit Möglichkeiten und Hoffnung, damit, dass nicht nur im Jahr 2026 von Gott aus für unser Leben gilt: „siehe ich mache alles neu!“

Dekan Burkhard von Dörnberg

Marburg

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